Ewige Herzen - Die Geschichte der Herzbestattung in Europa

6. Kreuzzüge, päpstliches Verbot der Herzbestattung

Kardiotaph von Enguerrand VII. im Musée
                  Municipial de SoissonsKreuzfahrer, deren Herz nach Hause gebracht wurden, waren neben dem bereits erwähnten Friedrich Barbarossa Ludwig III., der Fromme, Markgraf von Thüringen (†1190), der Brite Henry d'Almayne (*1271), Ludwig IX., der Heilige (†1270) (historisch nicht gesichert), aus dessen Entourage sein Bruder Alfons III. Graf von Poitiers (†1271), sein Schwiegersohn Thibaud V. (†1270), und der „erfahrenste und klügste Ritter Frankreichs“, Enguerrand VII. (†1397), der letzte der großen Dynastie Coucy, wobei hier die Liste bei weitem nicht vollständig ist. Insbesondere die Herzen englischer, aber auch deutscher Kreuzfahrer kamen zurück in die Heimat.

< Kardiotaph von Enguerrand VII. im Musée Municipial de Soissons

Aufgrund der kirchlichen Vorbehalte gegen die Leichenteilung, vor allem wohl auch aus politischen Gründen verbot Papst Bonifaz VIII. in der Bulle „Detestandae feritatis abusum“ (1299) diese „verabscheuungswürdige Unsitte, die manche Gläubige aufgrund jener grässlichen Gewohnheit gedankenlos begehen […]“. Sein Nachfolger Benedikt XI. musste bereits einer Bitte aus dem französischen Königshaus nachgeben, insgesamt hatte das päpstliche Verbot keine wesentliche Auswirkung auf den letzten Wunsch der Souveräne. Allerdings ging die Zahl solcher Bestattungen in den nächsten Jahrhunderten generell zurück.

Zu einem Wiederanstieg trug auch bei, dass das Sektionsverbot der scholastischen Medizin im 14. Jahrhundert gelockert wurde. 

Der Heilige Antonius vor der Leiche des
                  Geizhalses (in der Mitte die Öffnung der Leiche mit
                  dem Heiligen, links die Truhe mit dem Herzen).
                  Bronzerelief am Hochaltar des „Santo“ in Padua von
                  Donatello

^ Der Heilige Antonius vor der Leiche des Geizhalses (in der Mitte die Öffnung der Leiche mit dem Heiligen,
links die Truhe mit dem Herzen). Bronzerelief am Hochaltar des „Santo“ in Padua von Donatello


Die ersten wissenschaftlichen Leichenöffnungen wurden wohl in den Jahren 1315 und 1316 von Henri de Mondeville, vielleicht auch von Mondino de Luzzi durchgeführt. Die Päpste Sixtus IV. (1404–1484) und Clemens VII. (1478–1534) förderten das Studium der Medizin und empfahlen sogar Sektionen. Ein zwischen 1445 und 1448 von Donatello geschaffenes Bronzerelief am Hochaltar der Wallfahrtskirche des Hl. Antonius in Padua zeigt den Zusammenhang zwischen Herzentnahme und Autopsie: Der Heilige gibt der Trauergemeinde beim Tod eines reichen Geizhals kund, man solle das Herz nicht mehr in dessen Brust, sondern in seiner Geldkiste suchen und deshalb beide öffnen. In der bewegten Szene scharen sich die Neugierigen um die aufgebahrte Leiche, deren Brust der Chirurg bereits geöffnet hat, ohne das Herz zu finden. Links sind vor der offenen Schatztruhe Männer dargestellt, die das Gesuchte hier tatsächlich gefunden haben.

Donatello wird sich seine Detailkenntnisse in der berühmten Anatomie der Universität von Padua geholt haben.

Fast hundert Jahre später, 1531, zeigt das Grabdenkmal für Ludwig XII. (†1515) und seine Gemahlin Anna (†1514) von Mazzoni und Juste in St. Denis das tote Paar in ergreifender Realität mit den Bauchnähten, die von der Entnahme des Herzens und der Eingeweide im Rahmen der Balsamierung herrühren.

Vernähte Wunden der Herz- und
                  Eingeweideentnahme, Grabmal für Ludwig XII. und Anne
                  de Bretagne, St. Denis, Paris

^ Vernähte Wunden der Herz- und Eingeweideentnahme, Grabmal für Ludwig XII.
und Anne de Bretagne, St. Denis, Paris

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