Ewige Herzen - Die Geschichte der Herzbestattung in Europa

Mythen sind oft wahrhaftigere Ausdrucksformen
des Wirklichen als wissenschaftliche Fassungen.

(Hermann Graf Keyserling)

1. Einführung

Die Herzbestattung, also die vom Körper getrennte Bestattung des Herzens, ist ein Ritual, das auf das christliche Abendland, also auf Europa beschränkt blieb, das in seinen Anfängen und dann auch über lange Jahrhunderte den Eliten des Volkes, also dem Adel und der hohen Geistlichkeit vorbehalten war. In der Kulturgeschichte des Herzens verkörpert diese Funeralsitte am eindrücklichsten die Magie, die dieser Hohlmuskel, der wohl über eine faszinierende physische Leistungsfähigkeit verfügt, auf den Menschen ausübt.

Seit der Menschwerdung war das Herz in fast allen abendländischen Kulturen, auch in vielen außereuropäischen Hochkulturen das Organ, das die menschliche Persönlichkeit repräsentierte und für Leben und Lebendigkeit stand.

Es wurde am deutlichsten mit der Emotion gefühlt, seine Verletzung, sein Ende bedeuteten bei Tier und Mensch das Ende des Lebens. Es war der Sitz aller guten und schlechten Eigenschaften, das Judentum, dann das frühe Christentum übernahmen diesen Glauben der Ägypter und die Ansicht der klassischen griechischen Philosophie, dass die Seele im Herzen beheimatet sei. So ist die abendländische Herzgeschichte auch die Geschichte der Seele. Es bedurfte immerhin eines Konzils, in Vienne in Frankreich 1311, in dem die Kirchenväter feststellen mussten, dass die Seele im ganzen Körper beheimatet sei, also in jedem seiner Teile. Der im Christentum verankerte Glauben an die Unsterblichkeit der Seele in Verbindung mit der Überzeugung, dass diese Seele im Körper, also im Herzen wohne, war die wesentliche Wurzel der Herzbestattung.

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